Handyanrufe auf Haustelefonen – welche Möglichkeiten gibt es?

Die Idee klingt eigentlich ganz einfach: Das Smartphone liegt zu Hause an seinem festen Platz oder am Ladegerät und wenn jemand auf der Mobilfunknummer anruft, klingeln gleichzeitig die schnurlosen Telefone im Haus. So könnte man beispielsweise einen Hörer im Wohnzimmer und einen weiteren im Büro oder Obergeschoss nutzen, ohne ständig das Handy mit sich herumtragen zu müssen.

Genau nach so einer Lösung habe ich gesucht. Dabei dachte ich zunächst, dass es dafür inzwischen zahlreiche einfach einzurichtende Telefonsysteme geben müsste. Bei meiner Recherche stellte sich allerdings schnell heraus: Ganz so einfach ist es nicht.

Es gibt verschiedene Möglichkeiten, Mobilfunk, Festnetz, Internet und schnurlose Telefone miteinander zu verbinden. Manche funktionieren über Bluetooth, andere über eine zusätzliche SIM-Karte, einen Mobilfunkrouter, VoIP oder eine Rufumleitung. Und nicht jede Lösung, die mit Begriffen wie „Smartphone-kompatibel“ beworben wird, macht tatsächlich das, was man vielleicht erwartet.

Deshalb habe ich mir die verschiedenen Möglichkeiten genauer angesehen. Welche Lösung ist am einfachsten? Welche verursacht zusätzliche Kosten? Was funktioniert auch bei schlechtem Mobilfunkempfang? Und wie bekommt man mehrere Telefone im Haus zum Klingeln? Genau das schauen wir uns hier Schritt für Schritt an.

Lösung 1: Smartphone per Bluetooth mit den Haustelefonen verbinden

Das wäre für mich die einfachste und komfortabelste Lösung: Das vorhandene Smartphone wird einmal per Bluetooth mit der Basisstation des Telefonsystems verbunden. Kommt anschließend ein Anruf auf der Mobilfunknummer an, klingeln auch die verbundenen schnurlosen Haustelefone. Das Smartphone kann währenddessen beispielsweise an seinem festen Platz liegen und aufgeladen werden.

Der große Vorteil dieser Lösung: Es wird keine zusätzliche SIM-Karte benötigt, der vorhandene Mobilfunktarif kann weiter genutzt werden und es entstehen dadurch grundsätzlich keine zusätzlichen monatlichen Kosten. Besonders praktisch ist das auch in Häusern mit unterschiedlichem Mobilfunkempfang. Das Smartphone kann dort liegen bleiben, wo der Empfang gut ist, während man beispielsweise einen schnurlosen Hörer im Wohnzimmer und einen weiteren im Obergeschoss benutzt.

Genau diese Lösung wurde in der Vergangenheit bereits von Herstellern angeboten. Systeme wie Philips MobileLink beziehungsweise ThinkLink oder Panasonics Link-to-Mobile konnten ein vorhandenes Smartphone per Bluetooth mit der Telefonbasis verbinden und Mobilfunkanrufe über schnurlose Hörer führen. Das Problem heute: Entsprechende europäische Modelle sind kaum noch neu erhältlich.

Mein Fazit: Technisch ist diese Variante für mich die eleganteste Lösung. Vorhandenes Smartphone, vorhandener Mobilfunktarif und keine zusätzliche SIM-Karte – genau so sollte es eigentlich funktionieren. Der entscheidende Nachteil ist derzeit die schlechte Verfügbarkeit aktueller, für Deutschland geeigneter Systeme. Deshalb würde ich ältere Geräte wie Philips ThinkLink oder Panasonic Link-to-Mobile heute nicht allein wegen dieser Funktion gebraucht oder als Import kaufen, ohne vorher die Kompatibilität genau zu prüfen.

Beispiele für diese Technik: Philips MobileLink und Panasonic Link-to-Mobile

Philips hat mit MobileLink beziehungsweise ThinkLink und Panasonic mit Link-to-Mobile bereits Telefonsysteme angeboten, die genau dieses Prinzip nutzen. Das Smartphone wird per Bluetooth mit der Telefonbasis gekoppelt und eingehende Mobilfunkanrufe können anschließend über die schnurlosen Hörer angenommen werden. Je nach Modell ließen sich außerdem zusätzliche Mobilteile verwenden. Damit kommt diese Technik unserer Wunschvorstellung besonders nahe.

Wichtig: Die genannten Systeme zeigen, dass diese Lösung technisch sehr gut funktioniert. Viele der entsprechenden europäischen Modelle werden heute allerdings nicht mehr regulär neu angeboten. Deshalb möchte ich an dieser Stelle bewusst kein älteres Gebrauchtgerät oder ein technisch möglicherweise ungeeignetes Importmodell empfehlen. Sobald wieder ein aktuelles und für Deutschland geeignetes System mit dieser Funktion verfügbar ist, wäre diese Variante für mich die erste Wahl.

Lösung 2: Mobilfunk-SIM über einen Router mit DECT-Telefonen verbinden

Eine weitere Möglichkeit besteht darin, die Mobilfunk-SIM direkt in einem geeigneten LTE- oder 5G-Router zu verwenden. Unterstützt der Router Mobilfunktelefonie und besitzt eine DECT-Basis, können eingehende Anrufe der Mobilfunknummer auf mehreren schnurlosen Telefonen im Haus klingeln. Das Smartphone selbst wird für diese Verbindung nicht benötigt.

Ein interessantes Beispiel dafür ist die FRITZ!Box 6850 LTE. Sie kann über eine eingelegte SIM-Karte Mobilfunkgespräche per VoLTE führen und gleichzeitig als DECT-Basis für mehrere schnurlose Telefone dienen. Dadurch kann beispielsweise ein Hörer im Erdgeschoss und ein weiterer im Obergeschoss genutzt werden. Bei schwachem Mobilfunkempfang können außerdem externe Mobilfunkantennen eine interessante Möglichkeit sein.

Der Nachteil dieser Lösung: Die SIM-Karte befindet sich im Router und nicht mehr im Smartphone. Wer seine Mobilfunknummer gleichzeitig auf dem Handy und über die Haustelefone nutzen möchte, benötigt deshalb je nach Mobilfunkanbieter und Tarif möglicherweise eine zusätzliche MultiSIM. Dadurch können zusätzliche monatliche Kosten entstehen. Auch der Mobilfunkempfang am Standort des Routers spielt eine wichtige Rolle.

Mein Fazit: Diese Lösung ist technisch sehr interessant, weil sich mehrere schnurlose Telefone im Haus mit einer Mobilfunknummer nutzen lassen. Besonders bei gutem Mobilfunkempfang oder mit einer geeigneten externen Antenne kann das sehr komfortabel sein. Wer seine vorhandene Mobilfunknummer aber gleichzeitig weiterhin ganz normal auf dem Smartphone nutzen möchte, sollte vorher unbedingt prüfen, ob eine MultiSIM im eigenen Tarif möglich ist und welche zusätzlichen Kosten dafür entstehen.

Meine Empfehlung: FRITZ!Box 6850 LTE

FRITZ!Box 6850 LTE Mobilfunkrouter mit DECT-Basis

Die FRITZ!Box 6850 LTE ist für mich eine der interessantesten Lösungen, wenn Mobilfunk und mehrere schnurlose Telefone miteinander verbunden werden sollen. Eine eingelegte SIM-Karte kann für Mobilfunktelefonie über VoLTE genutzt werden, während die integrierte DECT-Basis mehrere schnurlose Telefone im Haus versorgt. Besonders interessant ist außerdem die Möglichkeit, bei schlechtem Mobilfunkempfang externe LTE-Antennen anzuschließen.

Wichtig: Wenn du deine bisherige Mobilfunknummer gleichzeitig auf dem Smartphone und über die FRITZ!Box nutzen möchtest, kann je nach Mobilfunkanbieter eine zusätzliche MultiSIM erforderlich sein. Prüfe deshalb vor dem Kauf, ob dein Tarif diese Nutzung unterstützt und ob dafür zusätzliche monatliche Kosten entstehen.

Lösung 3: Handyanrufe auf die Festnetznummer umleiten

Eine technisch einfache Möglichkeit ist die Rufumleitung vom Smartphone auf die vorhandene Festnetz- oder VoIP-Rufnummer. Eingehende Anrufe auf der Mobilfunknummer werden dann auf die Festnetznummer weitergeleitet und können über die dort angemeldeten schnurlosen Telefone angenommen werden. Dafür ist kein spezielles Bluetooth-Telefonsystem erforderlich.

Der Vorteil liegt auf der Hand: Diese Variante funktioniert grundsätzlich mit einem vorhandenen Festnetz- oder VoIP-Telefonsystem und erfordert keine neue Telefonanlage. Allerdings sollte man vorher beim eigenen Mobilfunkanbieter prüfen, ob für die Rufumleitung zusätzliche Kosten entstehen.

Ein wichtiger Nachteil sollte dabei nicht unterschätzt werden: Bleibt die Rufumleitung auch dann aktiv, wenn man das Haus verlässt, können Mobilfunkanrufe weiterhin auf den Telefonen zu Hause klingeln. Im ungünstigsten Fall nimmt dort jemand das Gespräch an, obwohl der eigentliche Besitzer des Smartphones unterwegs ist. Die Rufumleitung müsste deshalb bei Bedarf aktiviert und beim Verlassen des Hauses wieder deaktiviert werden.

Mein Fazit: Die Rufumleitung ist eine einfache Möglichkeit, wenn bereits ein Festnetz- oder VoIP-Telefonsystem mit mehreren Hörern vorhanden ist. Für den gelegentlichen Einsatz kann sie durchaus praktisch sein. Als dauerhafte Lösung finde ich sie allerdings weniger komfortabel, weil man an das Ein- und Ausschalten denken muss und je nach Mobilfunktarif zusätzliche Kosten entstehen können.

Lösung 4: Mit MultiSIM dieselbe Mobilfunknummer auf mehreren Geräten nutzen

Bei einer MultiSIM stellt der Mobilfunkanbieter zusätzliche SIM-Karten für denselben Mobilfunkvertrag bereit. Dadurch kann die eigene Mobilfunknummer auf mehreren Geräten genutzt werden. Eine SIM bleibt beispielsweise wie gewohnt im Smartphone, während eine weitere SIM in einem geeigneten Mobilfunkrouter oder Telefonsystem zu Hause verwendet wird. Je nach Anbieter und Tarif können eingehende Anrufe dann auf mehreren Geräten signalisiert werden.

Der große Vorteil: Das Smartphone bleibt mit seiner gewohnten SIM und Mobilfunknummer ganz normal nutzbar. Gleichzeitig kann die zusätzliche SIM zu Hause die Verbindung zu einem Telefonsystem mit mehreren schnurlosen Hörern herstellen. Man muss also keine Rufumleitung beim Verlassen oder Betreten des Hauses ein- und ausschalten.

Der Nachteil: Eine MultiSIM ist nicht bei jedem Mobilfunktarif enthalten und kann zusätzliche monatliche Kosten verursachen. Außerdem unterscheiden sich die Möglichkeiten je nach Mobilfunkanbieter und Tarif. Vor dem Kauf eines passenden Telefonsystems sollte deshalb unbedingt geprüft werden, ob die eigene MultiSIM für Telefonie genutzt werden kann und ob eingehende Anrufe tatsächlich auf beiden SIM-Karten beziehungsweise Geräten signalisiert werden.

Mein Fazit: Die MultiSIM-Lösung ist besonders interessant, wenn Smartphone und Haustelefone unter derselben Mobilfunknummer erreichbar sein sollen. Sie funktioniert unabhängig davon, ob das Smartphone gerade zu Hause ist. Allerdings hängt die Lösung stark vom vorhandenen Mobilfunktarif ab. Zusätzliche monatliche Kosten oder ein notwendiger Tarifwechsel machen sie für mich weniger unkompliziert als die direkte Bluetooth-Verbindung.

Lösung 5: Ein modernes IP-/DECT-Telefonsystem nutzen

Wer seine Mobilfunknummer nicht direkt in das Telefonsystem integrieren muss, kann ein modernes IP-/DECT-System nutzen. Die Telefonie läuft dabei über den Internetanschluss beziehungsweise die vorhandene VoIP-Rufnummer. Je nach System lassen sich mehrere schnurlose Hörer anmelden und im Haus verteilen – beispielsweise einer im Wohnzimmer und einer im Obergeschoss.

Interessant wird diese Variante in Kombination mit Lösung 3: Wird die Mobilfunknummer bei Bedarf auf die vorhandene Festnetz- oder VoIP-Rufnummer umgeleitet, können auch Handyanrufe über die verschiedenen DECT-Hörer im Haus angenommen werden. Das IP-/DECT-System übernimmt dabei die Verteilung des Anrufs auf die Telefone. Man sollte allerdings weiterhin daran denken, die Rufumleitung wieder zu deaktivieren, wenn sie nicht mehr benötigt wird.

Ein interessantes Beispiel dafür ist ein erweiterbares IP-/DECT-System wie die Gigaset BasicLine IP. Solche Systeme werden über den Internetanschluss beziehungsweise Router betrieben und können mit mehreren schnurlosen Mobilteilen erweitert werden. Das ist besonders praktisch, wenn Telefone in verschiedenen Räumen oder Etagen genutzt werden sollen.

Mein Fazit: Ein modernes IP-/DECT-System ist eine sehr gute Lösung für Haushalte, die ihre vorhandene Festnetz- oder VoIP-Rufnummer nutzen und mehrere schnurlose Telefone im Haus verteilen möchten. Besonders interessant finde ich die Kombination mit einer Rufumleitung vom Handy. Sie ersetzt zwar nicht die komfortable Bluetooth-Verbindung, lässt sich aber mit aktueller und gut erhältlicher Technik umsetzen.

Meine Empfehlung: Gigaset BasicLine IP + COMFORT 500HX

Gigaset BasicLine IP mit COMFORT 500HX Mobilteil

Die Gigaset BasicLine IP + COMFORT 500HX ist für mich eine interessante Wahl für alle, die ein modernes und erweiterbares Telefonsystem über den Internetanschluss nutzen möchten. Die IP-Basis unterstützt mehrere schnurlose Mobilteile und verschiedene VoIP-Rufnummern. Dadurch lassen sich Telefone beispielsweise im Wohnzimmer, Büro oder Obergeschoss verteilen und über eine gemeinsame Basis betreiben.

Wichtig: Die Gigaset BasicLine IP übernimmt Mobilfunkanrufe nicht direkt per Bluetooth vom Smartphone. Sie eignet sich in unserem Vergleich vor allem für Festnetz- und VoIP-Telefonie. Wer zusätzlich Handyanrufe über die DECT-Hörer annehmen möchte, kann sie beispielsweise mit der oben beschriebenen Rufumleitung kombinieren.

Tipp: Wenn du bereits eine FRITZ!Box oder einen anderen geeigneten Router mit integrierter DECT-Basis besitzt, benötigst du die Gigaset BasicLine IP möglicherweise gar nicht. Ein kompatibles Gigaset HX-Mobilteil wie das COMFORT 500HX kann direkt an der DECT-Basis des Routers angemeldet werden. Dafür ist zwar eine einmalige Einrichtung notwendig, anschließend kann das Mobilteil aber ganz normal wie ein Haustelefon genutzt werden.

Welche Lösung passt zu dir?

Wenn du möglichst wenig verändern möchtest, wäre eine direkte Bluetooth-Verbindung zwischen deinem vorhandenen Smartphone und einem DECT-Telefonsystem für mich die komfortabelste Lösung. Genau solche aktuellen und für Deutschland geeigneten Systeme sind allerdings nur schwer zu finden.

Wenn du mehrere Haustelefone direkt über eine Mobilfunknummer nutzen möchtest, kann ein LTE-/5G-Router mit SIM und integrierter DECT-Basis eine interessante Lösung sein. Dabei solltest du aber vorher prüfen, ob du eine zusätzliche SIM beziehungsweise MultiSIM benötigst, welche Kosten dadurch entstehen und wie gut der Mobilfunkempfang am Standort des Routers ist.

Wenn du bereits ein Festnetz- oder VoIP-System besitzt, ist die Rufumleitung vom Handy wahrscheinlich der einfachste Weg, vorhandene DECT-Telefone mitzunutzen. Für gelegentliche Nutzung ist das praktisch, für eine dauerhafte Lösung aber weniger komfortabel, weil die Umleitung beim Verlassen des Hauses wieder deaktiviert werden sollte.

Wenn du ohnehin ein neues Telefonsystem suchst, würde ich auf ein modernes und erweiterbares IP-/DECT-System setzen. Damit kannst du mehrere Hörer im Haus verteilen und deine vorhandene Festnetz-/VoIP-Rufnummer nutzen. Gleichzeitig bleibt die Möglichkeit, bei Bedarf Handyanrufe per Rufumleitung auf dieses System zu bringen.